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"FrĂŒher hat man enger Zusammengestanden"

Vorgestellt: Seit ĂŒber 20 Jahren ĂŒbt Michael Lögering beim ASC Schöppingen sein Ehrenamt gewissenhaft aus, stand aber nie selbst auf dem Platz

SCHÖPPINGEN. Michael Lögering setzt sich im Vechtestadion auf die TribĂŒne und schaut sich das Spiel der B-Junioren an.

Kaum hat er auf der harten Holzbank Platz genommen, wird er angesprochen. „Michael, kannst Du bitte unser Spiel verlegen?“, fragt ihn Jugendtrainerin Tina van der Velde. Die MĂ€dchen der U17 haben Firmunterricht. Keine zehn Sekunden spĂ€ter zĂŒckt Lögering das Handy und fĂ€ngt an zu tippen. Der 34-JĂ€hrige ist das Gesicht der Fußball-Jugendabteilung des ASC Schöppingen. Er ist fĂŒr die anderen Vereine Schöppingens Ansprechpartner Nummer eins. Der Junge fĂŒr alles. Es gab Zeiten, da wĂ€re der Spielbetrieb wahrscheinlich zusammengebrochen, hĂ€tte es JugendgeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Lögering nicht gegeben. Heute ist der Klub etwas breiter aufgestellt. Die meiste Arbeit verrichtet aber weiter der Industrie-Kaufmann. Wenn auch im Hintergrund. Mit Michael Lögering unterhielt sich unser Mitarbeiter Rupert Joemann.

 

Herr Lögering, Sie sind aus dem ASC nicht wegzudenken. Sie haben aber nie Fußball im Verein gespielt.

Lögering: Richtig. Das ging aufgrund meiner Nieren-Erkrankung nicht. Mein Zwillingsbruder Stephan und ich haben jedoch auf BolzplĂ€tzen gekickt. Ich bin aber immer zum Zuschauen auf den Sportplatz gegangen. Außerdem habe ich zwei, drei Jahre lang Badminton und auch Tennis gespielt und jetzt ein bisschen Tischtennis. Als Ausgleich.

 

Wie kam der Sprung von der Zuschauer-TribĂŒne an den FunktionĂ€rstisch zustande?

Lögering: 1988 ist mein Vater bei einem Verkehrsunfall gestorben. Da war der Fußball eine gute Gelegenheit, um mich abzulenken. Zuerst habe ich Jugendleiter Edi Blick geholfen, spĂ€ter mit Heinz Leppen zusammengearbeitet. Zwischendurch war ich auch mal zwei Jahre Jugendtrainer.

 

 

Sie engagieren sich bereits ĂŒber 20 Jahren. Dabei sind Sie erst 34. Trotz ihres jungen Lebensalters verfĂŒgen Sie ĂŒber viel Erfahrung im ehrenamtlichen Bereich. Was hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geĂ€ndert?

Lögering: Die MentalitĂ€t. FrĂŒher hat man enger zusammengestanden, nicht nur im Sportverein. Man kann sich auf die Leute teils nicht mehr so verlassen. Außerdem gibt es eine distanziertere Einstellung gegenĂŒber dem Verein.

 

Und weniger Bereitschaft zum Ehrenamt.

Lögering: Das ist wahr. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass sich die berufliche Situation bei vielen geÀndert hat. Heute können wir froh sein, wenn wir Trainer finden, die zweimal in der Woche zum Training und einmal zum Spiel kommen können.

 

Sie sind beim ASC der Mann, der fĂŒr einen reibungslosen Spielbetrieb sorgt. Heutzutage geht das ohne Computer nicht.

Lögering: Mein Vater hatte schon Mitte der 80er-Jahre einen Commodore C64. Seitdem interessiere ich mich fĂŒr Computer.

 

Computer-Fans sind oft gute Mathematiker. Ist das bei Ihnen auch so?

Lögering: Mathe war schon immer meine Sache. Im Beruf habe ich auch mit entsprechendem Schriftkram zu tun. So dass das als GeschĂ€ftsfĂŒhrer schon passt.

 

Was war denn frĂŒher nicht Ihre Sache?

Lögering: Geschichte war das Schlimmste fĂŒr mich. Mit zurĂŒckliegenden Dingen konntest du mir keinen Gefallen tun.

 

Womit können die Jugendfußballer Sie denn erfreuen?

Lögering: Es macht mir Spaß, wenn ich sehe, dass Zug in einer Mannschaft ist. Dass Trainer und Spieler die Sache ernst nehmen. Wenn man dann spĂ€ter im Seniorenbereich von guten eigenen GewĂ€chsen profitieren kann, macht die Arbeit umso mehr Spass.

 

 

Disziplin ist bei Ihrer Erkrankung eine wichtige Sache.

Lögering: FrĂŒher nicht. Erst seit ich seit fĂŒnf, sechs Jahren dreimal pro Woche zur Dialyse fahre. Ich soll am Tag nur 800 Milliliter FlĂŒssigkeit trinken. Man gewöhnt sich an alles, wenn man nur will.

 

800 Milliliter. Das sind gerade zwei Flaschen Bier, fĂŒr viele Fußballer eine wichtige Messeinheit.

Lögering: Das mit den 800 Millilitern ist erst seit der Dialyse so. Aber vorher habe ich mich auch nie extrem betrunken.

 

Wasser ist ja nicht gerade eine Geschmacksexplosion. Was essen Sie denn gerne?

Lögering: Schnitzel mit Pommes. Obendrauf rot/weiß.

 

Und was hören Sie fĂŒr Musik?

Lögering: Aktuelle Schlager. DJ Ötzi und JĂŒrgen Drews. Stimmungsmusik einfach.

 

Stimmungsmusik. Das passt ja auch gut zu Ihrer Freundin.

Lögering: Ja. Sie spielt in einem Orchester in Westkirchen. Zehn bis 15 Auftritte hat sie pro Jahr. Ab und zu begleite ich sie.

 

An solchen Tagen sieht man Sie dann nicht auf dem ASC-Platz.

Lögering: Man muss auch mal kĂŒrzertreten und gegenseitig RĂŒcksicht nehmen.

 

Eine letzte Frage. Was wĂŒnschen Sie sich fĂŒr den ASC in Zukunft?

Lögering: Das etwas mehr leistungsorientiert trainiert und gespielt wird. Die erste Mannschaft sollte langfristig in der Bezirksliga spielen - mit eigenen Leute. Wir sind eine Dorfgemeinde, das darf man nicht vergessen.

 

 

 

 

VORGESTELLT

 

Geburtsdatum: 13. Juni 1977

Geburtsort: MĂŒnster

Wohnort: Schöppingen

Beruf: Industrie-Kaufmann

Familie: ledig, Freundin Anika

Hobby: Sport

Persönliche StĂ€rke: „ZuverlĂ€ssigkeit und PĂŒnktlichkeit“

Persönliche SchwĂ€che: „Schlechte KritikfĂ€higkeit“

Zukunftswunsch: „Gesundheit und Frieden“

 

Quelle: Bericht der WestfÀlischen - Nachrichten vom 24. Dezember 2011