Von Derbys und deren Helden

Kalt ist es geworden auf den Plätzen der Republik, die Hinrunde geht ihrem Ende entgegen, dennoch erwarteten alle beteiligten ein umso hitzigeres Duell zwischen dem ASC und dem SC Ahle, trainiert von niemand anderem als dem Schöppinger Urgestein Tobias Haverkock. Zwar sind in der Kreisliga alle Spiele Derbys – ein nicht unwesentlicher Grund dafür, dass wir alle diese Liga so lieben – doch schwingt sich eine solche Konfrontation selbstredend zu besonderer Brisanz empor. Der Anpfiff wurde sehnlichst erwartet.

Von leidigen Déjà-vus

Jedes Spiel wie das Vorherige, jede Niederlage gleicht sich wie ein Ei dem anderen. In den Erinnerungen fließen sie zusammen zu einem frustrierenden Brei aus Zeit. Es könnte an dieser Stelle der Spielbericht der letzten Woche stehen, es würde nichts ändern.

Von Spielen zum Wegschauen

Ein kalter Wind schnitt durch jede Kleidung, eine Fahne wehte in seinen klaren Böen, eine Fahne aus vielen Kehlen gehaucht, Zeuge der letzten Nacht. Ihre Taten konnten sie nicht verschleiern, zu schwer lasteten die Beweise und so wurden unsere Helden denn schließlich auch Bestraft.

Von Glück und Schicksal

O Fortuna, du wechselhafte Gespielin! Stehet niemand in deiner Gunst, wenn das Rad sich dreht; ist des einen Glück des anderen Leid. Ruhm und Schmach zerrinnen zwischen deinen Fingern im Stundenglas der Zeit. Wie übel spieltest du selbst den größten Heroen mit, hing ihr Schicksal doch an deinem Münzwurf? Lohnen tust du einzig die Beharrlichkeit und so kam für sie alle ihre Stunde…

                                  -Gebet eines Unbekannten an den Fußballgott-

Einer der größten Philosophen unsere Zeit lehrte einst, in aphoristischer Kürze, die Weisheit: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“. Wie viel Wahrheit diese Worte von Andi Brehme enthalten mag sich dem Außenstehenden womöglich nicht sofort erschließen, dem Connaisseur des gepflegten Wochenendkicks hingegen vermag sich hier das Kondensat einer ganzen Welt zu offenbaren. Manchmal fehlt eben das letzte Fünkchen Glück, der letzte Windhauch, das letzte Loch im Rasen, die letzte Entschlossenheit zum Sieg und das lässt sich dann eben nicht einfach ändern. In solchen Fällen braucht es Beharrlichkeit und vor allem Stoßgebete, um das Glück zu beschwören, braucht es Spiele wie dieses, um Fortunas Rad zu drehen.

Von Erkenntnissen im Angesicht des Scheiterns

Obschon die Bäume sich langsam ihrer Blätter zu entledigen begann, stand die Sonne hoch und heiß über dem Platz. Ihr Licht warf keine Schatten, zeigte alles klar, deutlich, wahr. Es war ein Tag der Offenbarung und sie mussten sich ihm stellen.

Von ehrenhaften Niederlagen

Den sandigen Kunstrasen der vorvorletzten Generation in seinem trüben Grün überleuchtete das Gelb und Rot und Grün der herbstlichen Bäume, die den Platz des FC Epe zu drei Seiten überragten, ihn geradezu in eine natürliche Schlucht, Kolosseum ohne entrinnen, betteten. Mit neu gewonnenem Stolz und breiter Brust waren unsere Gladiatoren aus dem Staub der letzten zwei Spiele getreten. Nach überragenden Leistungen gegen Wüllen und Nienborg gingen sie zwar nur einmal als Sieger, jedoch stets lebendiger als zuvor, vom Platz. In nur einer Woche war aus einer glücklosen Truppe eine Horde Berserker geworden, denen zwar nicht der Blutdurst aber der Siegeswille in den Augen funkelte.

Es war ein echter Graupenkick zu dem sich der ASC Schöppingen und der SF Graes zusammengefunden hatten.

Während im Schöppinger Ortskern das alljährliche Apfelfest Schwärme von Menschen anzog wärmten sich auf dem Ortseigenen Sportplatz zwei Stunden lang ASC und SF Graes auf, da der Schiedsrichter laut eigener Aussage von einer Spielansetzung um 15 Uhr informiert worden war. Um 14 Uhr konnte dann jedoch schließlich gestartet werden.

Von Neuanfängen im Flutlicht und Stürmen der Entrüstung

Die Sonne schwebte blendend rot über dem Horizont, Wolkenschleiern wie Sandbänken im blau des Himmels leuchteten in ihrem Licht. Es war die Möglichkeit eines Neustarts, die Möglichkeit alles besser zu machen als zu Beginn der Hinrunde, die der Sonne solch güldenen Glanz verlieh. Nicht einmal einen Monat nach ihrer ersten Begegnung trafen der ASC und Oldenburg-Ahaus wieder aufeinander: Es war ein Donnerstagabend als die Rückrunde begann.

Von vergebenen Chancen

Was ist des Stürmers größte Fertigkeit? Es mag Leute geben die werden sagen es sei außerordentliche Technik, Kopfballstärke, Durchsetzungsfähigkeit im Strafraum, ein strammer Schuss, oder schlicht dort zu sein wo der Ball irgendwann hinkommen wird – den Raum deuten, wie Thomas sagen würde…also Müller. Natürlich sind dies alles exquisite Skills (um einmal im FIFA-Deutschen zu bleiben) und wurden im Laufe der Geschichte dieser sakralen Sportart von den verschiedensten Stürmern zu Torschussmaschinerien perfektioniert, machten sie gleichsam zu Schutzpatrone ihrer Thesen… Doch treffen sie, nach Ansicht des Erzählers, alle nicht den Kern.  

Vom Niederschlag auf den Boden der Tatsachen

Die Plätze lagen leer und verlassen an der Metelener Straße. Kein Ball der über sie rollt, keine Füße sie zu zertreten, einzig die Sonnenstrahlen berührten die grünen Flächen. Da wummern elektrische Klänge, der Bass billiger Boxen, durch das Vechtestadion und zerrissen die Ruhe vor dem Sturm; die Rot-Weißen betraten die Szenerie, setzten sich vor die Kabinen – die „Musik“ in ihrer Mitte – und verharrten dort in merkwürdiger Meditation. Unsere grün-weißen Recken beäugten das Schauspiel währenddessen misstrauisch und mit wachsender Verärgerung. Ihre Blicke fanden beim Gegner Gehör, wurden mit doppelter Intensität erwidert. In den Kabinen verdichtete sich die Luft zu einem heißen Brodem, jeder wusste was auf dem Spiel stand. Schon jetzt verhieß das Spiel, wie üblich wenn diese Giganten der Kreisklasse aufeinandertrafen, besonders heiß umkämpft, gar ruppig, zu werden.